Tutorial – Sternschnuppen fotografieren

Gepostet am Aug 11, 2016 | Keine Kommentare


Dieses Jahr gibt es in der Nacht zwischen dem 11. und 12. August 2016 eine besonders gute Möglichkeit, die Perseiden*1 (Sternschuppen) zu fotografieren. Dieser Artikel nimmt das zum Anlass um zu zeigen, wie man diese großen Anzahl von Sternschnuppen am besten fotografisch festhalten kann.

Um speziell die Perseiden zu fotografieren richten wir die Kamera Richtung Sternbild Perseus. Aus dieser Richtung kommen die Perseiden jedes Jahr (deswegen der Name). Letztes Jahr 2015 war auch noch Neumond – also einen besonders dunklen Nachthimmel und somit besonders gute Bedingungen. Das ist dieses Jahr zwar nicht der Fall, jedoch können auch so tolle Bilder gelingen.

Hier Bilder fotografiert in der Sternschnuppen-Nacht 2015 12. – 13. August):

Sternschnuppe am Nachthimmel

Perseide 12. August 2015

 

Perseide-löst-sich-auf-FB

Collage einer verglühenden Perseide

Es gibt drei unterschiedliche Möglichkeiten Sternschnuppen zu fotografieren.

Möchte man die Sterne punktförmig darstellen – also nicht als Striche (Star Trails) – muss man entweder stacken oder man benötigt eine Nachführung (diese bewegt sich mit der Erddrehung). Damit ergeben sich folgende Möglichkeiten:

Mit Stativ

  • mit Star Trails (Sterne als Strichspuren)
  • ohne Star Trails (punktförmige Sterne)

Mit Nachführung – das ist aber nicht Thema dieses Artikels.

 

Sternschnuppen fotografieren mit Stativ

 

Sterne als Strichspuren (Star Trails) fotografieren

Dies ist die einfachste Methode. Bei dieser Methode stellt man die Kamera auf ein Stativ. Im Fall der Perseiden richten wir die Kamera auf das Sternbild Perseus (Richtung Osten) und benutzen die Intervallfunktion der Kamera oder einen programmierbaren Fernauslöser. Sternschnuppen sind sehr hell aber nur kurz zu sehen. Deswegen kann man die gleiche Methode nutzen wie beim Blitze fotografieren.

Wenn man einen Fernauslöser hat, geht man wie folgt vor:

  1. Kamera auf Stativ und auf Perseus Richtung Osten richten
  2. Kamera in den “Liveview-Modus”
  3. Im Liveview-Modus an einen hellen Stern heranzoomen
  4. Manuell das Objektiv scharfstellen (bis der Stern möglichst rund und klein ist)
  5. Kamera auf “BULB”-Modus stellen (bei diesem Modus belichtet die Kamera so lange man den Auslöser drückt)
  6. Den Auslöser auf ca. 5 Minuten stellen
  7. nach 5 Minuten das Bild kontrollieren. Wenn es zu hell ist, die Blende solange schließen bis das 5-Minuten-Bild gut aussieht (Sterne und u. U. Landschaft passt)
  8. Intervall einstellen z. B.: 99 Aufnahmen

Das Intervall ist optional. Falls ein längerer Zeitraum aufgenommen werden soll, muss man mehrere Aufnahmen machen die man später per Software zusammensetzen kann (stacken).

 

Hat man keinen Fernauslöser, benutzt man einfach den Kamera-internen “Intervall-Timer”.

Ziel ist es, wieder lange Intervalle zu erreichen. Je nach Lichtverschmutzung, Helligkeit des Nachthimmels und verfügbarer Blende machen Aufnahmen mit einer Dauer von ca. 30 Sekunden Sinn. Wenn die Intervallfunktion der Kamera länger belichten kann, dann wie oben 5 Minuten oder mehr einstellen.

 

Die Sterne werden ab ca 10 Sekunden (je nach Brennweite) zu Strichen.

 

Wer nicht die Möglichkeit hat länger als 30 Sekunden zu belichten (typischer Maximalwert bei den meisten Kameras), der kann per Software-Nacharbeit nachhelfen. Das geht wie folgt:

Man nimmt möglichst schnell hintereinander in 30-Sekunden-Intervallen (oder länger) Bilder auf und fügt diese später zu einem Gesamtbild zusammen. Wie das geht wird weiter unten im Artikel erklärt.

Zu sehen sind dann die runden “Star Trails” und unsere Sternschnuppen.

 

Anmerkung:

Normalerweise empfiehlt man bei Astroaufnahmen immer Spiegelvorauslösung zu verwenden. Manche meinen sogar, dass man zwischen den Aufnahmen den Sensor abkühlen lassen soll. Bitte beides hier auf keinen Fall machen, denn sonst sind die Star Trails nicht mehr durchgängig! Das sieht dann nicht schön aus. Ausserdem darauf achten, dass die “Rauschreduzierung für Langzeitaufnahmen” ausgeschaltet ist (Standard ist bei jeder Kamera “an”), sonst macht die Kamera einen Dunkelbildabzug nach jeder Belichtung. Das dauert genau so lange wie das eigentliche Bild. Bei mehreren Sekunden oder gar Minuten ist das sehr lästig und in der Zeit kann man natürlich auch keine Strenschnuppen aufnehmen!

 

 

Sterne als Punkte fotografieren

 

Hierzu benötigen wir ein Stackingprogramm wie z. B. DeepSkyStacker.

Auch hier müssen viele Aufnahmen gemacht werden. Diesmal aber dürfen die Intervalle nicht zu lange sein. Ganz grob über den Daumen gepeilt kann man mit einem weitwinkligen Objektiv (kleiner 35mm) bis zu 20 Sekunden belichten – ohne dass merkliche Strichspuren entstehen. Es empfiehlt sich dennoch eine Probeaufnahme zu machen und die Sterne genauer anzuschauen, da, je nachdem welchen Bereich des Sternenhimmels man fotografiert die Sterne schneller zu Strichen werden (siehe Tabelle – Astrofotografie für 35mm).

 

Hat man nun die Einzelbilder alle zusammen, benutzt man ein Stackingprogramm um alles zusammenzuführen. In diesem Artikel verwendet man für beides den DeepSkyStacker (auch für Star Trails).

 

Stacken mit DeepSkyStacker

 

Mit Startrails

 

In diesem Fall benötigen wir unser Fotomaterial bei dem unsere Sterne schon Strichspuren aufweisen (siehe oben).

“Normalerweise” verwendet man den DSS um die Astrobilder so aufeinander zu legen, dass die Sterne deckungsgleich aufeinander liegen. Wollen wir aber die Sternbewegung sehen, müssen wir in den Optionen (Stacking Parameter ->Ausrichtung) “Keine Ausrichtung” wählen.

 

Ohne Startrails

Hier nimmt man das Fotomaterial bei dem die Sterne keine Strichspuren aufweisen, also kurzer belichtet sind.

 

Stacken

Der Stacking-Ablauf wird in dem Artikel Astrofotografie mit der DSLR: Teil 2 – Richtig Stacken näher beschrieben (mit Video).

 

Sternschnuppen mit Star Trails

Perseiden mit Star Trails

 

Zusatzinfo Perseiden:

Jedes Jahr im August streift der Meteor Swift-Tuttle erneut die Erdatmosphäre. Dabei lösen sich winzige Staubpartikel ab und sausen durch die oberen Schichten der Erde. Dabei können sie eine Geschwindigkeit von ca 216.000 km/h erreichen. Durch diese extreme Geschwindigkeit bringen sie die Luftpartikel dazu, hell aufzuleuchten – was wir als Sternschnuppen sehen. In der Nacht zwischen dem 11. und dem 12. August 2016 können gehäuft viele solcher Sternschnuppen beobachtet werden. Es lohnt sich also, in den Himmel zu schauen – und wer mag zu fotografieren.

 

*1 Titelbild: Illustration

 

 

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