Montierung richtig aufstellen – Polausrichtung

Gepostet am Aug 15, 2015 | 4 Kommentare


Möchte man Sterne fotografieren merkt man sehr schnell, dass sich unsere Erde dreht. Denn nach einer gewissen Belichtungszeit sind die Sterne nicht mehr schön rund, sondern zeichnen sich als Strichspuren ab. Wer das nicht möchte und dennoch lange am Stück belichten will, benötigt eine richtig aufgestellte parallaktische Montierung. Wie man die Montierung richtig ausrichtet zeigt der folgende Artikel.

Vorbereitung zur Polausrichtung

Man benötigt:

  • Kompass
  • Wasserwaage
  • Parallaktische Montierung
  • Polsucher
  • Taschenlampe

 

Optional: Polsucherberleuchtung.

Diese erleichtert die Ausrichtung bei Nacht erheblich. Ohne Polsucherbeleuchtung muss man mit der Taschenlampe schräg in den Sucher leuchten um die Markierungen im Polsucher zu erkennen. Das ist etwas kniffelig.

 

Grobe Ausrichtung und Aufbau der Montierung

Man beginnt damit, bei Tag die Montierung mit dem Kompass nach Norden auszurichten. Das bedeutet, dorthin soll der Polsucher, der sich in der Achse befindet, hinzeigen. Danach bringt man mit einer normalen Wasserwaage die Montierung ins Wasser.

Achtung: NICHT – falls vorhanden – die eingebaute Dosenlibelle der Montierung verwenden. Diese ist meist sehr ungenau.

Man sollte darauf achten, dass beide “Polrichtungsschrauben” (einstellen der Azimutalachse) gleich tief im Gewinde gedreht sind. Ist das der Fall, kann man später in beide Richtungen gleich viel korrigieren.

 

Polrichtungsschrauben

Polrichtungsschrauben oder auch Azimutalachse

 

Nun kann man die Polhöhe einstellen. Als Orientierung bei der Einstellung dient die Polhöhenskala. Diese zeigt den Breitengrad des Standortes.

 

Polhöheneinstellung

Polhöheneinstellung

 

In der Abbildung zur Polhöheneinstellung zeigen die gelben Pfeile die Stellschrauben für die Polhöhe. Der rote Pfeil zeigt die Polhöhenskala.

Tipp: Den eigenen Breitengrad mit Google Maps bestimmen.

 

Hat man soweit alles am Tage vorbereitet wartet man auf die Dämmerung bis der Nordstern (Polarstern) gerade sichtbar wird. Wenn es noch nicht zu dunkel ist, kann man im Polsucher noch die Markierungen sehen.

 

Beachte:

Die Markierungen für den “Großen Wagen” und “Kassiopeia” dienen als Orientierungshilfe wie man die RA-Achse (Rektaszensions-Achse) anfangs drehen muss damit Polaris richtig im Polsucher steht. Man kann die Sternbilder aber NICHT im Sucher sehen

 

RA-Achse. Diese Achse dreht sich mit der Erdrotation

RA-Achse. Diese Achse dreht sich gegen die Erdrotation (mit den Sternen)

 

Polsucher

Im Polsucher Markierung des Polarsterns

 

Jetzt dreht man so lange an den Stellschrauben für die Polhöhe und an den Polrichtungsschrauben, bis der Polarstern im Kreis zu sehen ist. Sobald die richtige Position erreicht ist, schaltet man die Montierung ein und lässt sie laufen.

 

Achtung:

Immer wieder kontrollieren ob der Polarstern noch an der richtigen Position ist oder aus dem Kreis läuft und gegebenenfalls nachstellen.

 

Auf diese Weise kann man mit weitwinkligen Objektiven schon gute Astrofotos machen. Möchte man noch genauer einstellen, gibt es die Möglichkeit des Einscheinerns. Das wird hier beschrieben: Zum Artikel über das Einscheinern.

Es gibt Möglichkeiten die Montierung über den Polsucher noch genauer einzustellen. Diese grobe Methode hier im Artikel sollte noch mit dem Einscheinern ergänzt werden. Aus meiner Sicht macht es nicht viel Sinn mehr Zeit in die Polausrichtung zu stecken, denn für Astrofotografie sollte zwingend die Scheiner-Methode verwendet werden.

 

Zusatztipps

  • Immer drauf achten, dass die nach Osten zeigende Seite der Montierung leichtes Übergewicht hat damit die Montierung leicht ziehen muss, sonst wackelt es leicht beim Nachführen. Also nicht ganz ausbalancieren!
  • meist ist ab Werk der Polsucher nicht richtig justiert. In der Anleitung zur Montierung nachlesen und diesen nachjustieren.

 

 

Bonus: Checkliste Montierung richtig aufstellen

Hier findet ihr zusätzlich eine Checkliste als pdf zum Ausdrucken:

Checkliste-Ausrichtung und Aufbau Montierung.

 

 

4 Kommentare

  1. Bei meinem Dob mit EQ-Platform reicht für die visuelle Beobachtung eine Viertelstunde ohne daß nachgeschubst werden muß. Daher brauche ich auch keinen Polsucher, sondern reicht mir die Methode mit der Kochab Uhr – also noch ein Schlag gröber als hier geschildert

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  2. Sehr guter Beitrag! Ich finde immer wieder etwas, was ich doch noch nicht kannte. Da wird es nie langweilig :).

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  3. Ich liebe deinen Blog. Informativ, gut erklärt und interessant. So muss das sein!

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  4. Du schreibst:
    “Jetzt dreht man so lange an den Stellschrauben für die Polhöhe und an den Polrichtungsschrauben, bis der Polarstern im Kreis zu sehen ist. Sobald die richtige Position erreicht ist, schaltet man die Montierung ein und lässt sie laufen.

    Achtung:
    Immer wieder kontrollieren ob der Polarstern noch an der richtigen Position ist oder aus dem Kreis läuft und gegebenenfalls nachstellen. ”

    Massgebend ist doch der Breitengrad wo ich mich gerade befinde. Mit dem Polaris-App habe ich geschaut wo der Stern im Kreis sich eigentlich befinden sollte.
    Anschliessend habe ich die Polhöhe so korrigiert, dass der Stern den Kreis berührte. Anschliessen habe ich den Stern mit den Azimut schrauben so platziert wie es auf dem App dargestellt wurde.
    Wenn ich nun die Montierung laufen lasse und der Polarstern aus dem Kreis verreisst, wie muss dann korrigiert werden?
    Mit der Polhöhenverstellung oder etwas anderes? Ach, übrigens ich bin fortgeschrittener Anfänger im ersten tausendstel.
    Ich bin froh über jeden für Laien verständlichen Tipp, damit ich endlich den Mond ohne manuelle Korrektur zur Brust nehmen kann.
    Vielen Dank für Tipps und Anregungen
    gruss
    Renato

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