Montierung richtig aufstellen – Einscheinern

Gepostet am Aug 15, 2015 | 2 Kommentare


Um gute Astrofotografie zu betreiben muss die parallaktische Montierung möglichst perfekt aufgestellt werden. Die reine Ausrichtung auf den Polarstern (Polausrichtung) reicht hier nicht. Dieser Artikel zeigt, wie das mit der “Scheiner-Methode” richtig gelingt.

Nachdem man die Montierung wie im Artikel “Montierung richtig aufstellen – Posausrichtung” aufgestellt hat, geht es nun an das feine Einstellen und das “Einscheinern” der Montierung.

 

Was ist die Scheiner-Methode?

 

Die Scheiner-Methode wurde von dem deutschen Astrophysiker Julius Scheiner (1858–1913) entwickelt.

Die Scheiner-Methode ist ein Verfahren, mit dem eine äquatoriale (parallaktische) Fernrohrmontierung präzise auf den Himmelspol ausgerichtet werden kann. Der Vorgang dauert etwa 1 Stunde und wird auch „Scheinern“ genannt. (Quelle: Wikipedia)

 

 

Polhöhe einscheinern

 

Man fängt am besten mit der Polhöhe an. Wenn die Polhöhe nicht stimmt, bekommt man unter Umständen Probleme mit der Nachführgeschwindigkeit und muss die Polrichtung und danach erneut die Polhöhe nachstellen.

  • Optik mit größtmöglicher Brennweite auf die Montierung bauen und Kamera anbauen
  • Nachführung starten
  • Dann sucht man sich einen Stern im Osten oder Westen mit einer Deklination nahe 0° (dafür eignet sich Stellarium ganz gut). Höhe des Sterns ca. 20-30°
  • Nun die Montierung auf den Stern ausrichten bis er im Sucher der Kamera erscheint
  • Wenn möglich ein Raster im Sucher der Kamera einblenden
  • Die Kamera oder Optik so drehen, dass sich der Stern auf einer Linie bewegt, wenn man die Montierung in RA fährt
  • Anschließend den Stern in die Mitte bringen

 

Bewegt sich auf einer Linie

Bewegt sich auf einer Linie

 

Wenn der Stern nach oben oder unten auswandert, muss die Polhöhe korrigiert werden.

 

Polhöhe einstellen bis der Stern nicht mehr nach oben oder unten wandert

Polhöhe einstellen bis der Stern nicht mehr nach oben oder unten wandert

 

Driftet der Stern nach oben weg, ist die Polhöhe zu tief eingestellt und umgekehrt (wenn man sich ein Stern im Westen ausgesucht hat, sonst anders herum).

Hat man alles richtig gemacht sollte sich der Stern – bei einer Brennweite von ca. 500mm – in ca. 10min nicht mehr vom Fleck bewegen.

 

Polrichtung einscheinern

 

  • Für die Polrichtung sucht man sich einen Stern im Süden aus, der möglichst nah am Meridian liegt und eine Deklination von 0° hat
  • Diesen setzt man wieder in die Mitte der Kamera
  • Montierung natürlich wieder laufen lassen
  • Bewegt sich der Stern nach unten, dreht man die Schraube B weiter rein
  • Bewegt sich der Stern nach oben, die Schraube A eindrehen

 

scheinernpol

 

Das Ganze wiederholt man so lange, bis sich der Stern bei 500mm für ca. 10min nicht mehr bewegt.

 

Tipp

Nach dem Anfahren des jeweiligen Sterns die Montierung etwas laufen lassen bis die Nachführung ruhig läuft (eine Minute oder mehr).

 

 

2 Kommentare

  1. Das Einscheinern mit der Kamera ist wahrlich die beste Methode. Ich benutze die EOS700D und sobald ich den Stern in Mitte habe vergrössere ich das Bild x10
    Es ist aber sehr ratsam während der Wartezeit den Bildschirm welcher auf maximale Helligkeit eingestellt ist auszuschalten. Dies tat ich nicht und nach vielen Stunden mit dieser Methode bekam ich einen Fleck auf meinen Bildschirm… sehr übel und auf allen Bilder gut zu sehen, so als käme von rechts ein helles Hallo in mein Teleskop. Gottseidank war noch Garantie auf dem Canon und das Problem wurde beseitigt ( Wechseln des Chips !!!! )

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  2. Super. Die erste richtig ausführliche Deutsche Erklärung mit Fotos die ich gefunden habe. Erklärungen die nur in Textform waren hab ich nur zur Hälfte verstanden. Vielen Dank dafür. Da werd ich mal bei Klarer Sicht meine neue SW EQ 3-2 mit meinem 500 f4 “einscheinern”.

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