Mondfinsternis fotografieren – Blutmond

Gepostet am Sep 27, 2015 | 2 Kommentare


Eine beinahe einmalige Gelegenheit um eine Mondfinsternis zu fotografieren bietet sich uns von Sonntag auf Montag (27. – 28.9.15). Dort gibt es einen Supermond und eine absolute Mondfinsternis. Wer lernen möchte, dies fotografisch festzuhalten ist hier richtig.

Bevor es technisch wird hier der ungefähre zeitliche Ablauf:

 

  • Aufstehen um 2:30 Uhr
  • Aufbauen, Kamera 30min auskühlen lassen
  • Scharfstellen
  • um 3:15 Uhr sieht man den ersten kleinen Schatten der Erde. Der Mond steht genau zwischen Süden und Westen
  • um 4:30 Uhr ist er schön rot und so gut wie komplett im Erdschatten
  • ab 5:30 Uhr wird er am Rand wieder heller
  • ab 6:00 Uhr ist der Mond nur noch halb im Erdschatten. Er steht ziemlich tief fast im Westen
  • um 6:30 Uhr geht die Sonne auf und der Mond ist wieder voll

 

Möglichkeiten, eine Mondfinsternis zu fotografieren

 

  1. Einzelaufnahme
  2. Videosequenz (und die besten Bilder stacken)

Welche der beiden Möglichkeiten am besten verwendet wird hängt von der Vergrößerung des Mondes ab. Je näher man rangeht desto mehr kommen atmosphärische Störungen wie Luftunruhe zum Tragen.

Für die Meisten wird es wohl die erste Variante werden. Die Einzelaufnahme reicht in der Regel für 200mm-300mm Brennweite an Vollformatkameras oder auch APS-C (Cropkameras) noch gut aus. Zudem sollte man bei höheren Vergrößerungen mit der Videomethode eine Nachführung besitzen, sonst verschwindet der Mond schnell aus dem Gesichtsfeld der Kamera.

 

Praxistipp zum richtigen Standort finden: Die Position der Sonne ist heute (27.9.15) um 16:10 Uhr fast gleich wie die des Mondes morgen früh um 4:30 Uhr, wenn der Mond voll durch die Erde verdeckt ist.

 

Mondfinsternis fotografieren mit Einzelaufnahme

 

Benötigt wird ein Stativ, ein Teleobjektiv > 90mm und eine Kamera. Egal ob Systemkamera oder Spiegelreflexkamera.

 

Beispielbilder:

 

D8X_9232

400mm

 

600mm

600mm

 

Vorgehensweise:

  • Kamera auf Stativ
  • Mond anvisieren und in die Mitte nehmen (dort sind die Linsen auch am Schärfsten)
  • Liveview Modus einstellen
  • Kamera auf Manuell stellen (M-Modus)
  • Kamera 30min. auskühlen lassen
  • Autofokus aus – manuell scharf stellen

 

Tipp: Möchte man aus vielen Einzelbildern ein Timelapse-Video erstellen, sollte man zusätzlich noch den Weißabgleich fest einstellen, sonst flackert das Video.

 

Sobald man den Mond auf dem Display sehen kann geht es um das Scharfstellen. Hierzu die “Zoomfunktion” der Kamera im “LiveView” verwenden. Wichtig an dieser Stelle nochmal: Manuell scharf stellen – NICHT den Autofokus verwenden, denn der trifft in diesem Fall meist nicht richtig und man hat ein unscharfes Bild.

Es empfiehlt sich auch den Mond ein klein wenig unterzubelichten. Nimmt man ihn zu hell auf, sieht man die schönen Strukturen nicht mehr.

Wer noch nicht so daran gewöhnt ist im manuellen Modus zu Fotografieren kann hier noch nachlesen. Eine grobe Orientierungshilfe:

  • Blende nicht ganz aufmachen – ein bis zwei Blenden abblenden
  • ISO-Wert auf 100 um die beste Dynamik zu erreichen
  • Verschlusszeit so wählen, dass der Mond nicht zu hell auf dem Bild erscheint um Überbelichtung zu vermeiden

Bitte beachten: Zur vollen Mondfinsternis muss man die Belichtungseinstellungen anpassen, da der Mond dann wesentlich dunkler ist als zum Zeitpunkt des Aufbaus.

 

Mondfinsternis fotografieren mit Videosequenz

 

Hier kann man eine Webkamera oder eine Planetenkamera verwenden. Diese haben meist einen sehr kleinen Sensor, wodurch das Bild einen starken digitalen Crop (Ausschnittsvergrößerung) erhält. Das ist in diesem Fall gut so, denn sonst würden wir beim Stacken Unmengen an unnützem Speicher verbrauchen.

Man kann aber natürlich auch eine normale digitale Kamera verwenden und mit dieser filmen.

 

Warum filmen?

 

Ganz einfach: Ab einer bestimmten Vergrößerung hat man das Problem, dass sehr viel Luft zwischen der Kamera und dem Mond ist – ähnlich wie wenn man durch Wasser fotografieren möchte. Um das “auszufiltern” nimmt man eine riesige Menge an Einzelbildern auf, sortiert die besten Aufnahmen aus und legt diese per Software aufeinander. So mitteln sich die nicht konstanten Luftbewegungen aus und man erhält ein klares Bild.

Natürlich könnte man auch viele Einzelaufnahmen machen, aber das hätte zwei Nachteile:

 

  1. so schnell wie beim Filmen kann man in der Regel nicht hintereinander Bilder machen
  2. die Kameralebensdauer geht drastisch nach unten, denn jedes Bild verursacht eine mechanische Verschlussbewegung. Bei Spiegelreflexkameras sogar noch eine Spiegelbewegung

 

 Was wird benötigt um eine Mondfinsternis zu filmen?

 

  1. Kamera mit der man filmen kann
  2. Aufnahmesoftware
  3. Stackingsoftware
  4. Mond
  5. Stativ oder noch besser eine Nachführung

Zu Punkt 5) je größer die Vergrößerung, desto schneller bewegt sich der Mond aus dem Bildfeld. Um das auszugleichen muss man entweder noch mehr Bilder pro Sekunde aufnehmen (Hochgeschwindigkeitskamera), oder man verwendet eine Nachführung die auf die Mondbewegungsgeschwindigkeit eingestellt ist und die sauber gescheinert ist (siehe Montierung richtig aufstellen – Einscheinern).

 

 Wichtig: Die Kamera muss komplett manuell betrieben werden. Also kein automatischer Weißabgleich, kein Autofokus und auf M-Modus stellen! Alles andere führt im besten Fall zum Flackern des Bildes und im schlimmsten Fall verhindert es das saubere Stacken und die Bilder sind nur noch Müll.

 

Software

Software zum Aufnehmen gibt es verschiedene. In diesem Tutorial wird:

verwendet.

 

Nachdem die Kamera fest auf dem Stativ befestigt ist, manuell eingestellt und der Mond im Sucher oder Display erscheint geht es nun an das Scharfstellen. Das macht man IMMER über den LiveView der Kamera oder noch besser am PC-Bildschirm. Ich nehme dazu zum Beispiel ein Notebook, schließe es an der Kamera an und schaue beim Fokussieren auf den Bildschirm. Bei den meisten Kameras kann man im LiveView auch noch digital ranzoomen – das hilft ungemein. Für diesen Schritt bitte viel Geduld einplanen, denn der Fokus muss passen.

So als Faustwert: Es sollten ca. 1000 Bilder gemacht werden, wovon ca. 4-10% zum Stacken dann hergenommen werden.

Beispielbild:

600mm gefilmt mit Webcamchip

600mm gefilmt mit Webcamchip

 

Mondfinsterniss 2015

Mondfinsterniss 2015

 Anmerkung: Die Kamera und und das Objektiv oder auch Teleskop mindestens eine halbe Stunde vorher rausstellen, damit sich die Temperatur des Systems angeleichen kann. Eine winzige Temperaturänderung kann sich schon auf den Fokus auswirken und unser mühevoll erstelltes Bild ist unscharf!

 

Wenn ihr noch Fragen habt, stellt sie gerne im Kommentarfeld unter dem Artikel oder erzählt von euren Erfahrungen.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

 

 Aus der Sage:

 

Blutmond, so nennt man in Xandrien Nächte in denen der Mond strahlend rot am Himmel steht. Vor mehreren hundert Jahren, so sagt man, habe die Mondgöttin mit einem Menschen eine Tochter gezeugt, von unendlicher Schönheit und edlem Gemüt, doch die Menschen, die von solcher Perfektion erschreckt waren hielten sie für eine Hexe und verbrannten sie. Die Rache der Mondgöttin war fürchterlich, sie tötete beinahe ein Viertel aller Menschen in ihrem Zorn, bis ihr Bruder, der Sonnengott sie dazu brachte aufzuhören. Seither, jedes Mal wenn die Mondgöttin sich des traurigen Schicksals ihrer Tochter erinnert färbt sie dem Mond rot, um die Menschen an ihre Schandtat zu erinnern.

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