Ist ein Telekonverter sinnvoll?

Gepostet am Nov 27, 2014 | Keine Kommentare


In meinem letzten Artikel habe ich die 2* Telekonverter von Sigma (TC-2001) und Nikon (TC 20EIII) miteinander verglichen. In diesem Artikel möchte ich die Frage klären, wann und für wen ein solcher Konverter denn überhaupt sinnvoll ist.

 

 

 

Grundsätzlich muss man sich im Klaren darüber sein, dass ein Telekonverter folgende Punkte verschlechtert:

  • Schärfe
  • chromatische Aberration (den “Farbfehler”) und
  • Lichtstärke

 

Schärfe

Selbst wenn der zum Einsatz kommende Telekonverter selber perfekt ist, also keinerlei Kontrastschwächen aufweist, muss man bedenken, dass die Brennweite des zu Grunde liegenden Objektivs verlängert wird.

Kann das auf dem eingesetzten Sensor von vornherein nicht scharf abbilden (ich spreche hier über einen 1:1 crop) dann wird der Telekonverter keinen Mehrwert bringen. Da lässt man ihn lieber weg und hat ein bisschen weniger Auflösung, aber dafür mehr Licht (siehe unten).

 

Chromatische Aberration (Farbfehler)

durch jede Linse die zum Einsatz kommt wird das Licht erneut gebrochen. Das heißt, bei "normalem" Glas entsteht immer ein mehr oder weniger großer Farbfehler. Das gilt auch beim Einsatz eines Telekonverters, der immer auch mehr als eine weitere Linse ins optische Gesamtsystem einbringt. Je nachdem was man fotografiert kann das mehr oder weniger störend sein. Die heutigen Fotobearbeitungstools bieten hier zwar oft die Möglichkeit zum Entfernen solcher Farbfehler, das hat jedoch Grenzen. Gerade wer z. B. Sterne fotografieren will hat hier immer zu kämpfen. Aber auch in vielen Lichtsituationen mit starken Hell/Dunkel-Unterschieden sieht man die Farbkanten deutlich.
rechte untere Ecke bei Nikkor 70-200 f2,8 mit TC 20EIII

rechte untere Ecke bei Nikkor 70-200 f2,8 mit TC 20EIII

Im Beispielbild (oben) sieht man die rechte untere Ecke bei einem Nikkor 70-200 f2,8 mit TC 20EIII. Der Ausschnitt stammt von einem Astrobild und zeigt Sterne.

 

Lichtstärke

Nun zum letzten für mich auch sehr entscheidenden Punkt meiner Aufzählung – der Lichtstärke.

Vielen ist nicht bewusst, dass sich durch den Einsatz eines Telekonverters immer die Lichtstärke des optischen Systems verändert. Im Falle der 2* TCs sogar um 2! Stufen. Also zum Beispiel von f2,8 zu f5,6

Das bedeutet, dass man erst viel Geld für eine hohe Lichtdruchlässigkeit bezahlt hat und es dann wieder massiv verschlechtert.

Will ich zum Beispiel im Wald bei normalem Tageslicht fotografieren, habe ich mit f5,6 in Kombination mit einem 200mm oder 300mm Teleobjektiv schon echte Probleme – ohne Stativ oder gutem Bildstabilisator. Das geht dann oft nur noch mit Tieren, die sich nicht schnell bewegen.

Zudem ist es meist so, dass bei Offenblende die Objektive nicht die beste Schärfe ablichten. Hier hilft oft nur ca. 2 Stufen abblenden. Damit wären wir dann schon bei f7,1.

Je nach Schärfe kann es sich oft lohnen ein günstigeres Objektiv mit f5,6 zu kaufen und darauf zu achten, dass es bei diesem Öffnungsverhältnis scharf abbildet. Solche Linsen sind leichter als die Kombination (f2,8 + TC) und kosten oft nicht mehr als ein Telekonverter…

Wer dennoch einen Telekonverter einsetzen will, dem gebe ich diesen

 

Tipp

Um herauszufinden, ob sich mit eurer DSLR und eurem existierenden Tele ein Telekonverter lohnt, könnt ihr wie folgt vorgehen:

  1. ein Foto-Objekt mit feinen Strukturen auf mittlerer Distanz suchen, auf das man gut fokussieren kann (am besten etwas kontrastreiches)
  2. Kamera auf ein Stativ packen (oder ein Bohnensäckchen…)
  3. die Kamera so einstellen, dass sie nach dem Betätigen des Auslösers verzögert auslöst (um Vibrationen, die durch das Auslösen entstehen zu vermeiden)
  4. die Blende ganz aufmachen und den kleinstmöglichen ISO-Wert einstellen
  5. Foto 1 machen
  6. die Blende 2 Stufen schließen (wenn vorher f2,8 dann jetzt f5,6)
  7. Foto 2 erstellen

Danach beide Bilder am PC anschauen und 1:1 Bildausschnitt vergleichen (100%). Nun zeigt sich, wie scharf die eingesetzte Linse auf dem Bild abbildet. Typischerweise ist das leicht abgeblendete Bild etwas schärfer. Sie können nun 2 Dinge vergleichen:

1) Wie scharf wird mein Bild maximal bei doppelter Vergößerung (durch den Telekonverter) sein. Also eher schlechter als man das hier nun sehen kann.

2) Wieviel weniger Licht habe ich mit 2 Blendenstufen weniger noch zur Verfügung.

Wenn nur das zweite Bild scharf genug ist, sollte man sich genau überlegen, ob der Telekonverter eine sinnvolle Anschaffung ist.

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