Digital fotografieren Teil 1: Was ist eine Blende

Gepostet am Feb 17, 2015 | 3 Kommentare


Auch in der digitalen Fotografie sind  Blende, ISO-Wert, Brennweite und Verschlusszeit die wichtigsten Grundlagen die man verstehen muss, bevor man den Auslöser betätigt. Natürlich gibt es hierzu Automatiken in jeder Kamera, die nehmen aber dem Fotografen jegliche Freiheiten sein Bild zu gestallten. Wer keinen Wert darauf legt seine Kamera zu beherrschen und wem Durchschnittsbilder reichen, der kann hier schon wieder aufhören zu lesen. Für alle anderen: Willkommen!

 

 

In diesem ersten Teil schauen wir uns die Blende genauer an. Sie ist das wichtigste Gestaltungsinstrument in der Fotografie. Vielen ist vielleicht schon aufgefallen, dass professionelle Bilder eine schöne Unschärfe haben und man so das fotografierte Objekt gut hervorheben kann. Dieses “Freistellen” erreicht man, in dem man die richtige Blende einstellt, den richtigen Abstand zum Objekt hat und dazu passend die richtige Brennweite (Vergrößerung). Man kann das auch nachträglich mit einem Fotobearbeitungsprogramm unscharf machen, aber dadurch wird nie die Qualität erreicht, wie wenn man es gleich mit der Kamera richtig macht.

Ein Beispiel:

Schärfebereich Blende

Man sieht hier den Schärfebereich

 

Was ist eine Blende

 

Was ist eine Blende? Schauen wir einmal in das Objektiv sehen wir eine Art Iris:

die Blende sieht aus wie eine Iris

die Blende sieht aus wie eine Iris

Blendenreihe

Blendenreihe unten manuell auszuwählen

 

man beachte auch die Nummern, die auf dem Objektiv stehen:

Hier: 2,8  4  5,6   8  11  16  22  32

diese Nummern beschreiben die Blendenzahl. Also wie weit die “Iris” geschlossen/geöffnet ist. Genauer gesagt beschreiben sie das Verhältnis der Brennweite zur Blendenöffnung. Mit ihr bestimmt man also wieviel Licht man auf den Sensor lässt.

Merken sollte man sich dazu

  • Ein großer Blendenwert bedeutet, dass die Blende eher geschlossen ist, also weniger Licht auf den Sensor lässt.
  • Ein kleiner Blendenwert hingegen bedeutet, dass die Blende geöffnet ist und mehr Licht auf den Sensor kommt.
  • Man spricht auch oft noch von Offenblende. Das bedeutet, dass die Iris ganz geöffnet ist, also maximal Licht auf den Sensor trifft.

Eine wichtige Tatsache hierzu ist, je mehr man Licht einfangen möchte, desto größer (und schwerer) muss das Objektiv sein. Da das Verhältnis der Brennweite zur Blendenweite den Blendenwert bestimmt wir nun auch klar, warum Teleobjektive so riesig sein müssen, wenn man das gleiche Licht haben möchte wie mit einem Objektiv mit kleinerer Brennweite (Vergrößerung).

 

Tipp

Um eure Blende an der Kamera zu verstellen schaltet auf A-Mode (bei den meisten digitalen Kameras). Im sogenannten Aperture-Mode verändert man die Blende. Die Belichtungszeit hingegen wird von der Kamera automatisch eingestellt

 

ein 300mm und 55mm mit f2,8 Größenvergleich

ein 300mm und 55mm mit f2,8 Größenvergleich

Die Frage ist, warum Blendenwerte (auch F-Stops genannt) immer so aufgebaut sind (Blendenreihe). Praktisch könnte man das auch stufenlos machen. Der Grund ist, dass sich zwischen diesen vollen “Stops” immer die Lichtmenge halbiert/verdoppelt. Bei vielen digitalen Kameras kann man auch noch Halbe- oder Drittelblendenstufen einstellen. Praktikabel ist das aber meiner Meinung nach nicht.

Da sich zwischen den vollen “Stops” jeweils die Lichtmenge die auf den Sensor trifft verdoppelt/halbiert, verdoppelt/halbiert sich auch die notwendige Belichtungszeit.

 

Beispiel

ist die Belichtungszeit bei f4  1/100s so ändert sich durch ändern der Blende auf f2,8 die notwendige Belichtungszeit (um ein gleich helles Bild zu bekommen) auf 1/200s

man muss also nur noch halb so lange belichten!

 

Unschärfe oder auch Bouquet

 

Je kleiner der Blendenwert, desto schmaler wird die Schärfeebene und umgekehrt. Das heißt, möchte man eine Person oder ein Objekt freistellen und den Rest des Bildes unscharf haben, benötigt man eine kleine Blendenzahl. Also z. B. bei 35mm f1,4 oder bei 85mm f2,8. Umgekehrt ist es so, wenn man einen großen Schärfebereich haben möchte, benötigt man einen großen Blendenwert. In der Makrofotografie beispielsweise wird durch den sehr nahen Abstand zum Objekt die Schärfeebene so schmal, dass man fast nichts mehr von dem Objekt scharf sehen kann. In diesem Fall macht man die Blende ganz zu. Weil dadurch viel Licht verloren geht, muss man für zusätzliches Licht sorgen (Blitz oder Extra-Lampe).

55mm f11

55mm f11 - breite Schärfeebene

55mm f1,8

55mm f1,8 - schmale Schärfeebene

Warum wird bei offener Blende die Schärfeebene so klein und bei geschlossener Blende ein großer Bereich scharf?

Das liegt daran, dass das Streulicht bzw. das nicht parallel auf die Linse treffende Licht durch die Blende abgeblendet wird. So trifft,  je kleiner die Blende ist nur noch paralleles Licht auf den Sensor. Damit wird verhindert, dass sich das Licht so streut (also das Bild unscharf wird). Es geht aber natürlich auch viel Licht verloren.

Sternförmige Lichter

Sternförmige Straßenlichter

Sternförmige Straßenlichter

allgemein-1-8

Feuerwerk

In diesen Bildern kann man schöne sternförmige Lichter sehen. Das kann man erreichen, indem man die Blende schließt. Trifft nun ein punktförmiges Lichtbündel auf die Blende, bricht sich das Licht an den Kanten der Blende. Je mehr Blendenlamellen man hat, desto mehr Zacken hat der Stern. Man sieht das oft bei Langzeitbelichtungen wenn man über einen längeren Zeitraum Licht einfangen will. Hier beispielsweise ein Blitz. Oder auch ein Feuerwerk.

Begleitend zu dem Artikel ein Video in dem die Blende erklärt wird

 

 

 

 

Eine Erklärung zur Brennweite, Crop-Faktor und Infos zur Optik findet ihr in Digital Fotografieren Teil 2: Was ist die Brennweite.

3 Kommentare

  1. Da kann ich mich nur anschließen, super erklärt, nicht viel blabla wie andere das machen, hier das Wesentliche mit sehr anschaulichen und repräsentativen Beispielbildern.

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