Digital fotografieren: Makrofotografie

Gepostet am Mai 2, 2015 | 3 Kommentare


Ganz Kleines mal ganz groß sehen, eine neue bisher versteckte Welt entdecken, direkt vor der Haustür – das ist Makrofotografie. Wie man schon mit wenig Geld tolle Makroaufnahmen machen kann zeige ich euch im folgenden Tutorial zur Makrofotografie. Beleuchtet werden verschiedene Möglichkeiten wie man ganz nah an das gewünschte Motiv rankommt. Auch werden Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden erläutert.

 

Möglichkeiten um Makroaufnahmen zu erstellen

 

Es gibt 5 technische Möglichkeiten wie man Nahaufnahmen erstellen kann:

 

  1. Nahlinsen vorne auf ein normales Objektiv clippen/schrauben
  2. Makroobjektive
  3. Balgengerät
  4. Zwischenringe
  5. Retroadapter

 

Im Folgenden wird oft der Begriff Abbildungsmaßstab verwendet.

Abbildungsmaßstab

1:1 bedeutet, dass das Objekt in Lebensgröße auf den Sensor gebannt wird. 2:1 doppelt so groß, 1:2 halb so groß usw.

 

Nahlinsen

 

 

Raynox 250

Raynox 250

 

Die wohl günstigste Variante um Makroaufnahmen zu machen ist, sich ein “Vergrößerungsglas” vor die Linse zu schrauben.

Generell gibt es zwei Arten von Nahlinsen. Normale Nahlinsen und Nahlinsen, die aus 2 Linsen bestehen (sogenannte Anachromate). Wenn man sich für diese Möglichkeit interessiert, ist folgendes wichtig zu wissen:

Die Vergrößerung gibt man bei Nahlinsen in Dioptrien an. Also +1, +2, +3 usw. Je höher die Dioptrienzahl, desto näher kann man an das Objekt ran. Zugleich kann man dadurch aber nicht mehr auf unendlich fokussieren. Um schneller zwischen Makro und normalem Fotografieren zu wechseln gibt es auch Nahlinsen, die man auf das Objektiv klemmen kann z.B. RAYNOX. (Beim RAYNOX ist jedoch zu beachten, dass keine Streulichtblende mehr eingesetzt werden kann. Ohne Streulichtblende streut bei solchen konvexen Linsen Licht mit ein, was die Qualität verschlechtert).

Durch jede weitere Linse im System verschlechtert man die Abbildungsleistung. Wobei eine Linse vorne auf dem Objektiv weniger Einfluss hat als dahinter (nahe dem Sensor).

 

Vorteile Nahlinsen

 

  • Wenig bzw. fast kein Lichtverlust
  • Autofokus bleibt erhalten (unendlich fokussieren nicht möglich, da die Brennebene verschoben wird)
  • Blendensteuerung über Kamera möglich
  • Prima geeignet zum Mitnehmen in der Fototasche

 

Nachteile Nahlinsen

 

  • Abbildungsfehler des Objektivs werden verstärkt. Insbesondere wenn man mehrere Nahlinsen übereinanderschraubt, verschlechtert sich die Bildqualität oft drastisch

 

Zusatzinfo Dioptrien

Wie stark eine Linse das Licht bricht wird in Dioptrien angegeben. Dioptrien ist eine andere Darstellungsart als die Brennweite, nämlich der Kehrwert der in Metern ausgedrückten Brennweite.

Bei Einstellung des Objektivs auf “unendlich” entspricht der Abstand zwischen Objektiv und Schärfenebene der Brennweite der Nahlinse.

Beispiel:  Mit einer Nahlinse +4 Dioptrien bildet ein auf “unendlich” eingestelltes Objektiv also Dinge scharf ab, die 25 cm entfernt sind. Bei kürzester Einstell-Entfernung verringert sich dieser Abstand noch.

 

 

Makroobjektive

 

 

Tamron 90SP Makroobjektiv

Tamron 90SP Makroobjektiv

 

Ein richtiges Makro sollte typisch 1:1 oder mehr abbilden. Alles andere ist nicht wirklich ein Makroobjektiv. Also bitte beim Kauf darauf achten, denn der Begriff Makroobjektiv ist nicht sauber definiert. Anders als bei normalen Objektiven sind ein paar Dinge wichtig:

 

  1. Ein gutes Makroobjektiv muss bei geschlossener Blende scharf sein – nicht bei Offenblende
  2. Die maximale Offenblende ist nicht wichtig
  3. Ein Autofokus ist meist unwichtig (außer man will Insekten im Flug als Makro aufnehmen)

 

Der Grund ist:

Bei einer Makroaufnahme muss man nahe an das Objekt ran. Dadurch wird der Schärfebereich sehr klein. Um das zu vermeiden muss man immer abblenden (typisch f11 oder noch mehr). Ein Autofokus trifft durch den geringen Schärfebereich meist nicht. Man stellt scharf und bewegt die Kamera leicht hin und her, bis man den Fokus genauso hat wie man will.

 

Welche Brennweite sollte man wählen?

 

Wenn man keine Insekten fotografieren will die leicht flüchten, dann reichen ca. 100mm. Ist das nicht der Fall unbedingt 180mm und mehr wählen, denn der Abstand zum Fotomotiv ist bei Makroaufnahmen immer recht nah! Siehe auch unten die Tabelle zur Naheinstellgrenze.

 

Balgengeräte

 

Balgengerät

Balgengerät

 

Wenn man mit einem vorhandenen Objektiv näher an das Fotoobjekt heran will muss sich die Linse vom Sensor weiter entfernen. Vielleicht ist das manchen schon aufgefallen, dass, je näher das Objekt am Fotografen ist, desto weiter fährt die Frontlinse aus.

Um das zu erreichen kann man z. B. ein Balgengerät zwischen die Kamera und die Linse verbauen. Mit eben solchem kann man den Abstand stufenlos erhöhen. Damit kein Licht zwischen die Linse und die Kamera kommt hat das Balgengerät eine Art gefalteten Stoff – wie ein Blasebalg. Daher auch der Name.

 

Vorteile Balgengerät

 

  • Bildqualität der Optik wird nicht verschlechtert (da keine zusätzlichen Linsen eingebracht werden)
  • Sehr feines Justieren möglich

 

Nachteile Balgengerät

 

  • Es geht dabei viel Licht verloren (siehe Beispiele weiter unten)
  • Man sollte immer ein Stativ dabei haben

 

Zu beachten

Ein typisches Balgengerät hat keine Automatiken/Elektronik. Das bedeutet, dass man den Autofokus und die Blendensteuerung des eingesetzten Objektivs nicht mehr benutzen kann. Hier empfiehlt sich dann gleich ein manuelles Objektiv zu nutzen, sonst muss man oft durch Basteln die Blende feststellen! Die teuren Balgengeräte unterstützen die Elektronik der Kamera, kosten aber schon bald so viel wie ein Makroobjektiv…

 

Zwischenringe

 

Kenko Zwischenringe

Kenko Automatik-Zwischenringe

 

Zwischenringe sind den Balgengeräten sehr ähnlich. Aber der Abstand zwischen Kamera und Objektiv ist hier fest vorgegeben. Das ist ok, denn wenn man nicht mit einem Stativ arbeiten will ist das sonst eher hinderlich. Im Vergleich zum Balgengerät bekommt man auch schon für wenig Geld Zwischenringe, die die Automatik der Kamera mit unterstützen.

 

Vorteile Zwischenringe

 

  • Bildqualität der Optik wird nicht verschlechtert
  • Für kleines Geld auch mit Autofokus und Blendenautomatik zu haben
  • Kein Stativ notwendig (im Gegensatz zum Balgengerät)

 

Nachteile Zwischenringe

 

  • Es geht viel Licht verloren

 

Zwischenringdicke und Abbildungsmaßstab

 

Zwischenring Abbildungsmaßstab Aufnahmeabstand
12mm 1:4 21cm
20mm 1:2,5 13cm
36mm 1:1,2 7cm

 

Retroadapter/Umkehrring

 

Umkehrring

Umkehrring

 

Bei einem Umkehrring wird das Objektiv verkehrt herum an die Kamera montiert. Hierbei nutzt man Weitwinkelobjektive. Je weitwinkliger, desto größer wird der Abbildungsmaßstab. Mit z. B. 35mm erreicht man schon 1:1.

 

Vorteile Umkehrring

 

  • Abbildungsqualität sehr hoch
  • Kein Licht geht verloren

 

Nachteile Umkehrring

 

  • Jegliche Kameraautomatik fällt aus

 

Die richtige Kamera

 

Prinzipiell ist es egal welche Kamera zum Einsatz kommt. Da man bei Makrofotografie aber immer sehr nahe an das Fotoobjekt heran will, bieten sich hier auch Crop-Kameras – also Kameras mit kleinem Sensor – an. Diese sind um einiges günstiger in der Anschaffung als z. B. Vollformatkameras. Das einzige Problem dabei ist das Licht und in diesem Zusammenhang das Sensorrauschen (siehe ISO-Wert). Für Makroaufnahmen ist es aber meist sinnvoll, einen Blitz oder sehr helle Lampen, die man am Objektiv anbringt, einzusetzen. Da ist die Sensorgröße wiederum nicht so wichtig.

 

Die Naheinstellgrenze

 

Naheinstellgrenze

Naheinstellgrenze

 

Nahgrenze oder Naheinstellgrenze

gibt an wie nahe man mit dem jeweiligen Objektiv oder der oben genannten Makrolösungen an das Objekt herangehen muss.

 

Hierbei muss man beachten, dass die Objektivhersteller immer nur den Abstand angeben zwischen dem Sensor und dem Motiv. Der tatsächlich interessante Abstand ist aber der vom Ende des Objektivs (voll ausgefahren) zum Objekt. Im Folgenden gebe ich bei den Beispielen immer den Abstand vom Motiv zum Objektiv.

 

Typische Naheinstellgrenzen (Makroobjektive: Abstand hier zum Sensor)

 

50mm ca. 20cm
90mm ca. 30cm
180mm ca. 45cm

 

 

Praktische Arbeitsabstände (alle Bilder mit Crop-Faktor 1,5 und nicht nachbearbeitet)

 

 

Je nach Schärfe des eingesetzten Objektivs und Sensor (MP) kann man zusätzlich noch schneiden. Beispiel bei 24MP 1:1 crop

 

 

Tipps – Wie mache ich gute Makroaufnahmen:

 

  • Scharfstellen in dem man sich selbst bewegt
  • Verschlusszeit und ISO-Wert manuell vor der Aufnahme einstellen. Stellt sicher, dass ihr nicht verwackelt und die Qualität erzielt die ihr möchtet
  • Auf genügend Licht achten. Wenn zu wenig Licht vorhanden ist, Blitz oder Lampe verwenden
  • Mehrere Bilder machen (Serienaufnahme), denn nicht immer trifft man die Schärfe genau. Dabei sich leicht bewegen

 

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3 Kommentare

  1. Welches Objektiv können Sie mir für die Tierfotografie
    nahelegen?

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    • Hallo,

      die Frage ist sehr allgemein. Ersteinmal kommt es auf die Kamera an (Crop oder Vollformat). Dann auf den Geldbeutel und wieviel Gewicht man bereit ist mitzuschleppen. Um was für eine Kamera handelt es sich denn? Wo werden welche Tiere fotografiert (Lichtverhältnisse z.B. Wald) und wie schnell bewegen sich die Tiere normalerweise. Will man Tiergruppen fotografieren oder meist einzelne Tiere freistellen? In welcher Entfernung werden die Tiere ungefär sein?

      Kommentar absenden
  2. P.S.: hat man genügend Muskeln und der Geldbeutel ist auch dick genug, kann ich das Sigma 120-300mm f2,8 empfehlen. Das kann eigentlich so ziemlich alles abdecken. Ansonsten muss man eben Kompromisse eingehen.

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