Astrofotografie mit der DSLR: Teil 1 – Fotografieren mit Stativ

Gepostet am Nov 29, 2014 | 11 Kommentare


Dieser Artikel ist der erste Teil der Blogartikelreihe Astrofotografie mit der DSLR. Heutzutage wird durch die digitale Fotografie das Fotografieren auch dem Amateur leicht zugänglich. Auch die Anschaffungskosten für Einsteigeroptiken und DSLRs (Digitale Spiegelreflex Kameras) sind erschwinglich. Der versierte Fotograf hält auch sicher mal seine Kamera in den Sternenhimmel. Und darum geht es hier – wir wollen unser Universum näher heranholen. Jetzt kann man natürlich ein Teleskop kaufen, dazu eine Menge an Zubehör und seine DSLR da ran bauen. Das muss aber gar nicht sein, denn wie wir sehen werden sind die meisten Objekte schon mit normalen Teleobjektiven gut zu sehen, da sie viel größer am Himmel erscheinen als manch einer sich das vorstellen kann. Nur sind sie sehr lichtschwach! In diesem Artikel tasten wir uns langsam an die Astrofotografie heran.

Fotografieren auf Stativ ohne Nachführung

35mm ISO6400 f1,4 10s

35mm ISO6400 10s f1,4 (Crop-Faktor 1,5)

Grundsätzlich kann man mit jeder DSLR und jedem Objektiv schon eindrucksvolle Bilder machen. Es kommt erstmal nur darauf an welche Objekte man fotografieren will. Im einfachsten Fall benötigt man ein Stativ und eine “normal”-Brennweite. Also zum Beispiel eine Nikon D5200 mit einem 35mm Objektiv. Damit kann man schon schön die Milchstrasse fotografieren.

Das Bild links ist ein einzelnes Bild mit 10s auf einem Stativ aufgenommen. Wenn man näher hinschaut, dann stellt man fest, dass die Sterne nicht punktförmig sind, sondern schon Striche:

sterne_striche

Strichbildung und hohes Rauschen

 

 

 

 

Je mehr Vergrößerung man hat (mehr Brennweite), desto mehr wird man diese Striche sehen. Auch bemerkt man bei diesem Einzelbild den hohen ISO-Wert (das Bild ist ziemlich verrauscht).

 

Hintergrund dieser Sternbewegungen: Die Erde rotiert um die eigene Achse.

Kurz zum

Astrokoordinatensystem

Wie unsere Erde ein Koordinatensystem hat, so gibt es auch ein Koordinatensystem für unseren Sternenhimmel. Es gibt also Längen- und Breitengrade und Pole. Die Längenkreise nennt man Rektaszension (RA) und die Breitengrade Deklination (D). Auch gibt es einen Himmelsnordpol. Ein Beobachter am Nordpol sieht den Himmelsnordpol genau über sich im Zenit. Entsprechendes gilt für den Südpol. Der Polarstern befindet sich fast am Himmelsnordpol (er bildet auch die Spitze des kleinen Wagens). Es scheint also, als ob sich alle Sterne um den Polarstern bewegen.

Himmelsnordpol

Himmelsnordpol

 

Je weiter man sich in der Deklination von dem Pol wegbewegt, desto kürzer muss man die Belichtungszeit wählen.

 

 

 

 

 

Einen Richtwert gibt folgende Tabelle für 35mm:

Deklination des Objekts Belichtungszeit 35 mm Objektiv
0 Grad 10 Sekunden
20 Grad 11 Sekunden
40 Grad 13 Sekunden
50 Grad 16 Sekunden
60 Grad 21 Sekunden
70 Grad 32 Sekunden
75 Grad 43 Sekunden

 

Die Milchstraße kann man auch ohne Nachführung ganz schön ablichten. Bei höherer Brennweite hat man schon mit 1s Belichtungszeit keine punktförmigen Sterne mehr (je nach Position des zu fotografierenden Objekts)
Tipp: Ladet euch doch mal das kostenlose Programm Stellarium herunter und spielt damit. Es hilft euch für die Orientierung am Himmel und zeigt schön die Sternbewegung. Dem Programm werden wir später auch noch begegnen, wenn wir unsere Kamera automatisch ausrichten:

Stellarium kann man hier kostenlos herunterladen.

Was kann ich tun um bessere Bilder zu machen? Stacken!

Was ist Stacken?

Auch ohne weitere finanzielle Ausgaben gibt es hier noch eine Verbesserungsmöglichkeit:

Man macht nicht mehr ein Bild mit langer Belichtungszeit, sondern ganz viele.

Diese Bilder legt man dann aufeinander. Das nennt man Stacken.

 

Es gibt einige Programme, mit denen man stacken kann, ich stelle aber an dieser Stelle nur eines vor. Ich benutze es oft, es ist kostenlos und meiner Meinung nach einfach zu bedienen. Der DeepSkyStacker von Luc Coiffier.

DeepSkyStacker

DeepSkyStacker

Das Programm kann man hier herunterladen.

Nach dem Stacken kann man dann mit einem weiteren Grafikbearbeitungsprogramm das Bild noch verfeinern.

 

 

 

M31 Kern ausgebrannt

400mm ISO-6400 f6.3 600s (Crop-Faktor ca 2,5) – M31 Kern ausgebrannt

Ein Vorteil ist, dass man Überbelichtungen vermeiden kann. Wenn man nämlich ein Objekt (mit sehr unterschiedlicher Helligkeit) sehr lange belichtet, dann sind die hellen Bereiche überbelichtet. Das nennt man dann auch ausgebrannt.

Im Bild kann man erkennen, dass der Zentralbereich von Andromeda nur noch ein heller Fleck ist.

 

Übung:

  1. Auf eine klare Nacht warten
  2. Kamera auf ein Stativ montieren und mit einem Objektiv (nicht zu große Brennweite) auf die Milchstraße richten
  3. Auf manuell stellen, Blende ganz auf und ISO-Wert auf 1600 -6400 stellen
  4. 1 bis 10 Sekunden belichten

Macht ein paar Bilder mit unterschiedlichem ISO-Wert und zwischen einer und 10 Sekunden. Die Blende lassen wir dabei ganz auf (obwohl wir bei Offenblende nicht die beste Schärfe haben). Danach schaut euch die Bilder in einem Grafikprogramm mal genau an. Ziel ist, dass man ein Gefühl für das Rauschverhalten seiner Kamera und für die Bewegung der Sterne bekommt.

 

Tipp:
  • Stellt eure Kamera so ein, dass sie nicht sofort nach dem Betätigen des Auslösers belichtet, sondern etwas verzögert. Auch ein kabelloser Auslöser ist hier eine tolle Hilfe.
  • Zum Scharfstellen sucht einen hellen Stern (z.B. Vega), schaltet eure Kamera auf Livemode und zoomt maximal digital ran. Zum Scharfstellen dann am Besten manuell solange drehen, bis der Stern möglichst punktförmig ist.

 

Danach sucht ihr das schönste Bild aus (auch mal 100% Ansicht anschauen) und merkt euch die Einstellungen.

Dann wieder raus und ganz viele Bilder machen (mit den guten Einstellungen). Je mehr desto besser. Die Bilder bearbeiten wir dann im nächsten Artikel. Ihr könnt auch gerne vorher schon ein wenig mit dem DeepSkyStacker spielen ;)

Im nächsten Artikel zeige ich wie man mit DeepSkyStacker arbeitet und wir machen die erste Aufnahme der Andromeda (M31) mit unserem Stativ. Danach erzähle ich was eine Nachführung ist und was es für unterschiedliche Typen gibt. Hier kann man selber basteln oder gleich eine computergesteuerte kaufen, die einem die Suche nach Deep Sky Objekten sehr vereinfacht.

Viele klare Nächte wünsche ich!

Das ist das Ende des einleitenden Blogartikels zur Serie “Astrofotografie mit der DSLR”. Mit den hier gelernten Grundlagen kann man schon nach draußen gehen und erste Erfahrungen machen. Die Milchstraße wartet auf euch!

 

 

11 Kommentare

    • Danke Peter, ich freue mich auch über deinen Besuch. Ich hoffe meine Artikel sind hilfreich und bringen meine Leser den Sternen näher :)

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  1. Hallo Philipp!
    Vielen Dank für die Einführung und die damit verbundene Arbeit.
    Freu mich schon auf Teil 2 mit der Nachführung. Man lernt ja nie aus.

    Immer CL und noch einen schönen Sonntag

    Peter

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  2. Hey, super Einleitung zum Thema,verständlich erklärt und nicht zu viel technisches Bla Bla.
    Freu mich auf den nächsten Teil.

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  3. Hallo,wie werden die Bilder gemacht??in “jpg” oder “RAW”
    Danke

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  4. Hi Ihr, ich bin eigentlich in der People-Fotografie daheim ;-) möchte mich aber rein aus Spass an der tollen Sache mit dem fotografieren des Sternenhimmels befassen.

    Als totaler Anfänger stellt sich mir nun die Frage…. Milchstraße ok… ich weiß auch was das ist und alles .. nur ist mir nicht klar WO ich sie von der Erde aus finde.. also in welche Himmelsrichtung muss ich meine Kam richten um die Milchstrasse so schön Mittig zu bekommen? Manche Artikel beschreiben es mit dem Polarstern als Mittelpunkt…..

    Was mich auch beschäftigt ist die Frage nach der Iso.. da liest man ja wilde Sachen)) Ich bin nun nicht ganz so rauschanfällig, da ich sowohl mit der 5 MIII wie auch mit der 6D arbeite.

    Habt Ihr ein paar Tips für einen blutigen Anfänger ;-)

    Danke

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  5. Hallo, ich sauge jede Info auf, die ich nur kriegen kann, wenn es um Astrofotografie geht. Ich hab schon viel mit dem DS stacker probiert. Letztens den M1 Nebel. 150 Lightframes haben nicht wirklich gereicht :-( Aber es war schon relativ gut zu erkennen. Die Nachbearbeitung der RAW Bilder und anschließende TIFF konvetrierung ist schon ziemlich aufwendig. Ich hab auf einer anderen Seite ein Low Budget Bau einer Nachführung (Deutsche Montierung) gefunden. Ich freu mich schon auf den zweiten Teil deine Reihe.
    Gruß

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  6. Hi Phillip,
    schöner Artikel. Ich will keine Astrofotografie machen, sondern Landschaft bei Nacht mit Sternenhimmel. Der Artikel hat mir gut weitergeholfen, danke.

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